Der aufmerksame Verkehrsteilnehmer bemerkte, wenn er die ehemaligen Reichsautobahnen in Richtung Berlin benutzte, daß jeweils die letzte Brücke vor dem Berliner Ring grundsätzlich anders gestaltet war als die übrigen Überführungsbauwerke der Autobahnen 2,9,11,12 oder 13. Diese letzte Brücke trug den Charakter eines Tores und sollte eine Einfahrt nach Berlin symbolisieren. Usinger und Tische schrieben hierzu in [1]:

"Obwohl auch diese Brücke vollständig im Rahmen der eingangs erläuterten architektonischen Grundeinstellung verbleibt, sind ihre Linien bei aller Einfachheit und Straffheit jedoch weicher. Sie ist auch stärker als die übrigen Bauwerke körperlich gegliedert und Ihre weit vor dem tragenden Bogen hervortretenden Flügel erschließen zwanglos die Möglichkeit sie in geeigneter Form mit künstlerischen Symbolen in Bildhauerarbeit auszustatten. Aus diesen Gründen haben wir vorgesehen, je eine Brücke an jeder Außenstrecke dicht vor der Abzweigungsstelle vom ‚Berliner Ring' in dieser Form auszuführen. Dadurch werden bestimmte ,Tore' geschaffen, durch die der Kraftfahrer zum Ring und damit nach der Reichshauptstadt einfährt und durch die er die Stadt wieder verläßt. Es ist angeregt worden, in den Werkstein der Flügel die Wappen der beiderseits dieser ‚Tore' liegenden großen Städte einzuarbeiten."

Abb. 1: Torbrücke über die Autobahn 12
vor dem Abbruch im Jahre 1998

So wurde in den in Richtung Berlin gesehenen jeweils rechten mit Kehlheimer Muschelkalk verkleideten Flügeln der sogenannten Torbrücken das Bärenrelief angebracht. Die Abb.1 zeigt die Torbrücke über die Autobahn 12 vor dem Abbruch im Jahr 1998. Nur auf der Autobahn 11 erhielt die Torbrücke auch das vorgesehene Symbol in der Gegenrichtung, in diesem Fall das Wappentier von Stettin.

Als erste der Torbrücken entstand die über die Autobahn 11 kurz vor dem Autobahndreieck Schwanebeck. Die Autobahnstrecke zwischen der Anschlußstelle Weißensee und der Anschlußstelle Bernau ging im März 1935 in Verkehr. Die Vorlagen für die Bärenreliefs schuf vermutlich der Bildhauer Albert Kraemer. ln [2] wird Fritz Cremer als Autor genannt.

Als bei einer Anfrage Angehörige des Künstlers dies heftig bestritten, wurde recherchiert. Die Bauakten der Torbrücke über die Autobahn Nr.2 (BAB A2) verwiesen auf einen Bildhauer Krämer, und das Archiv der Akademie der Künste hielt den Bildhauer Albert Kraemer für den möglichen Schöpfer. Diese Annahme wird auch durch eine Auskunft der Hochschule der Künste bekräftigt. Die zweite Torbrücke wurde wenig später über die Autobahn 2 vor dem Autobahndreieck Werder gebaut. Die Firma Bühl & Reuther bot im März 1936 die Leistung:

"Berliner Stadtwappen nach dem bei Herrn Bildhauer Krämer besichtigten Modell, das Schild 274 cm hoch, 214 cm breit und die Mauerkrone 63 cm hoch, 15 cm breit sowie eine Inschrift ,Berlin' in die vorhandene Werksteinverkleidung aus Auerkalkstein durch geschulte Steinbildhauer einzuarbeiten, einschließlich Anfuhr des Modells, aber unter der Voraussetzung, daß bauseitig die Rüstung und ein Schutzdach während der Arbeitszeit kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Bär ist nach dem Modell 11 cm plastisch erhaben herauszuarbeiten. Die Umrahmung ist seitlich 20 cm breit und 8 cm hoch vorzusehen" für 1460,00 RM an und wollte sie in nur vier Wochen erbringen;"

In einem Vermerk der "Obersten Bauleitung Berlin" vom 28.07.1936
ist dann zu lesen:

"Die Arbeiten wurden am 07.07.1936 begonnen und nach 17 Arbeitstagen am 25.07.1936 beendet. Bei einer Streckenbereisung am 11.07.1936, an der II, JG und Herr Tamms teilnahmen, wurde festgestellt, daß die Wirkung der Bildhauerarbeit an diesem Flügel infolge der schiefen Lage des Bauwerkes zur RAB ungenügend ist. Es wurde deshalb angeordnet, auch an dem Nordwestflügel die gleiche Bildhauerarbeit anzubringen."

Die Festlegung ist um so bemerkenswerter, als die Freigabe der Brücke vor dem Beginn der olympischen Spiele unmittelbar bevorstand. Sie hatte aber zur Folge, dass diese Torbrücke als einzige zwei Bärenreliefs erhielt. im Rahmen des Ausbaus der brandenburgischen Autobahnen nach 1990 konnte wegen der Querschnittserweiterung auf sechs Fahrtreifen nur die Torbrücke über die Autobahn 11 bestehen bleiben, da hier der vierstreifige Querschnitt keine Veränderung erfuhr und weil mittels der so genannten externen Vorspannung eine ausreichende Ertüchtigung des Bauwerkes möglich war.

Abb.2 Das alte Relief vor der neuen Torbrücke aus dem Jahre 1999 an der Autobahn A 12

Bei den anderen Torbrücken versuchte man, durch eine geeignete neue Konstruktion den gleichen Effekt wie bei den Vorgängerbrücken zu erreichen.
Nach einer Variantenuntersuchung fiel die Wahl auf eine zweifeldrige Spannbetonkonstruktion mit einer Stele an der Mittelstütze (Abb.2).
Nur an der Autobahn 13 verlangte die Breite der Autobahn die Ausbildung einer Vierfeldbrücke. Als Bezug zu den Vorgängerbrücken und zur Ankündigung der Nähe Berlins wurden die Bärenreliefs aus den alten Brücken geborgen und in Richtung Berlin jeweils vor den neuen Brücken aufgestellt (Abb. 3).

Da, wie oben berichtet, an der ehemaligen Torbrücke über die Autobahn 2 zwei Bärenreliefs angebracht waren, steht nun auch eines für die inzwischen hinzugekommene Autobahn Berlin - Hamburg (Autobahn 24) zur Verfügung, das in Kürze im Bereich der Anschlußstelle Kremmen zur Aufstellung kommen soll.

Abb.3 Bärenrelief vor den neuen Torbrücken

(Herr Thiemann leitete bis zum Jahr 2002 das Dezernat 4 - Konstruktiver Ingenieurbau - im Brandenburgischen Autobahnamt.)

Literatur:
[1] Usinger C., Tischer W.: Brückenbau in geordneten Formen; in: Die Straße (1935) S.248 - 254
[2] Hirte Ch.: Bauten der Reichsautobahn in Brandenburg, Brandenburgische Denkmalpflege (1996), S 29 - 41

Überreicht durch Reinhard Arndt, Erkner

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Der Berliner Bär an den Torbrücken
 der Autobahnen um Berlin

Text: E. Thiemann  Abbildungen Sammlung E.Thiemann

Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte o9
Geschichte der deutschen Autobahnen_2016
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